Könntest du dich einen Monat vegan ernähren?

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Fitness-Schriftstellerin und Bodybuilderin Nicola Joyce hat sich entschieden, einen Monat vegan zu leben. Wir haben sie dazu befragt…

WIR HABEN GEHÖRT, DU ISST EINEN MONAT VEGAN. WIESO? 

Wenn ich ehrlich bin, habe ich das größtenteils für meinen Blog getan. Ich habe mir gedacht, dass es ein interessantes Ernährungsexperiment werden könnte. Da ich mich momentan nicht auf Bodybuilder-Wettbewerbe vorbereite, konnte ich das Abenteuer eingehen. Ich mag es, in meiner Ernährungsweise zu experimentieren und festzustellen, wie das meinen Körper, meine Stärke, die Erholung und das Training beeinflusst. Meine ersten Gedanken waren, dass eine vegane Ernährung gesund ist und auch keine Auswirkungen auf Mikros und Makros hat. Wir werden sehen!

WAS IST DAS ZENTRALE ZIEL, DAS DU MIT DEM VEGANEN MONAT VERFOLGST?

Ich habe das Projekt weder mit Erwartungen noch mit Urteilen begonnen. Ich habe einfach damit angefangen, mich 100% vegan zu ernähren und dabei meine bestehenden Makros sowie die Häufigkeit der Nahrungsaufnahme beizubehalten. Natürlich wollte ich auch, dass die neue Ernährungsweise mein Training, die Erholungsphasen und das Energielevel unterstützt. Ich habe mir keinen Notfallplan erstellt, falls ich daran scheitere. Ehrlich gesagt, habe ich mir keine Gedanken darüber gemacht, was passieren könnte.

HATTEST DU GAR KEINE BEDENKEN?

Ich bin ziemlich kreativ in der Küche und genieße das Kochen! So war ich schon mal nicht besorgt darüber, dass mir langweilig werden könnte. Als Omnivore bereite ich auch jetzt schon fast alle meine Mahlzeiten von Grund auf selbst zu. Über Mangelerscheinungen habe ich mir keine Sorgen gemacht – ich habe daran geglaubt, dass alles Lebensnotwendige ebenso mit einer guten veganen Ernährung abgedeckt wird.

Außerdem passe ich nicht in die Bodybuilder-Schublade, die massenweise Fleisch isst. Jedoch neige ich komischerweise zu starkem Verlangen nach rotem Fleisch, wenn ich meine Periode habe (keine Ahnung, ob das üblich ist) und habe mich gefragt, ob ich damit fertig werden würde, wenn das passiert. Ich habe auch gedacht, ich könnte Fisch vermissen – davon esse ich viel. Ich hatte auch keine Ahnung, wie eine Ernährung ohne Eier bzw. flüssigem Eiklar aussehen würde.

WIE GENAU HAT SICH DEINE ERNÄHRUNG VERÄNDERT?

Natürlich habe ich Fleisch, Fisch, Eier und jegliche Milchprodukte aus meiner Ernährung gestrichen. Aber die Dinge, die nicht offensichtlich sind, haben mich überrascht. Spuren von Milch und Eiern in Saucen, Dressings und anderen Lebensmitteln. Wusstet ihr, dass nicht alle vegan scheinenden Produkte vegan sind? Ich nicht!

Mein erster Einkauf als Veganerin hat mir wirklich die Augen geöffnet. Ich habe Ewigkeiten gebraucht, obwohl ich am Ende nur recht wenig eingekauft habe. Ich musste die Inhaltsstofflisten von einfach allem lesen (außer bei Früchten und Gemüse) und große Bereiche des Supermarktes waren plötzlich komplett irrelevant für mich.

Tatsächlich lies mich das mehr nachvollziehen, wie sich Leute fühlen, die vorher noch keine Berührung mit gesunder Ernährung hatten. Diese Menschen brauchen wahrscheinlich genauso lange wie ich, um die ganzen Etiketten zu lesen und herauszufinden, in welchen Ecken des Ladens man nach geeignetem Essen Ausschau halten sollte. Das ist etwas, das die Personal Trainer und Coaches da draußen berücksichtigen sollten. Sich gesund zu ernähren mag zwar in unserer Natur liegen, ist aber komplett fremd für jene, die sich zum ersten Mal damit auseinandersetzen.

KANNST DU UNS EIN PAAR BEISPIELE NENNEN VON DINGEN, DIE DU GEGESSEN HAST?

Ich habe viele Hülsenfrüchte, Bohnen, Linsen und Tofu gegessen. Viele meiner Mahlzeiten waren quasi braun/beige! Außerdem habe ich wesentlich mehr Kräuter und Gewürze verwendet – das ist etwas, was ich als Fleischesser eher vernachlässigt habe.

Viele meiner Hauptgerichte waren Variationen aus Tofu mit Gemüse oder Gemüse mit Kichererbsen/Linsen in Tomatensauce.

Mein größtes Problem ist es, meine Markos abzudecken. In einer omnivoren Ernährung sind die Makros ziemlich separiert. Wenn du Protein zu dir nehmen willst, isst du etwas Hühnchen. Für Kohlenhydrate fügst du etwas Reis hinzu, und so weiter. Aber in der veganen Ernährung sind alle Makros kombiniert. Linsen sind protein- und gleichzeitig kohlenhydratreich. Tofu besteht aus Proteinen, ebenso wie aus Fetten. So musste ich nachdenken, wie ich eine solide Mahlzeit konstruiere.

Das, was sich nicht geändert hat, ist mein Frühstück. Ich nehme immer noch Haferflocken mit etwas Proteinpulver zu mir. Allerdings muss ich das Eiweiß weglassen (normalerweise verrühre ich ca. 50 ml flüssiges Eiweiß unter die kochenden Haferflocken). Und ich habe Complete Veganmix™ statt Whey Protein genommen. Tatsächlich bevorzuge ich das vegane Protein und werde es auch weiterhin benutzen. Es ist „dicker“ und leckerer, meiner Meinung nach!

ERZÄHL UNS ETWAS ÜBER DEINE VEGANE SUPPLEMENT-ROUTINE

Complete Veganmix™ habe ich in meinen Frühstücksflocken und nach dem Training verwendet (manchmal auch vor dem Schlafengehen). Dazu habe ich Kreatin Monohydrat verwendet. Normalerweise nehme ich kein Fischöl – esse jedoch recht viel Fisch. Daher habe ich die Omega-Ölmischung als ein weiteres Supplement aufgenommen. Ich habe eure veganen Proteinriegel als süßen Snack genossen (es ist definitiv härter, vegane Snacks zu finden!).

WIE HAST DU DICH NACH EINER WOCHE VEGANER ERNÄHRUNG GEFÜHLT?

Ehrlich gesagt: Nicht anders. Sorry, falls das eine langweilige Antwort ist, aber ich hatte kein Verlangen bzw. habe keine speziellen Nahrungsmittel vermisst. Ich habe mich bloß oft ziemlich voll gefühlt (eventuell hat dies mit den Ballaststoffen oder der Menge an Essen zu tun?). Die Häufigkeit meiner Mahlzeiten hat abgenommen, weil ich es als ziemlich schwer empfunden habe, passende Snacks ausfindig zu machen. Daher hat die Größe meiner Mahlzeiten eher etwas zugenommen.

WIE WURDEN DEIN TRAINING UND DEINE ERHOLUNG BEEINFLUSST? 

Mein Projekt läuft erst eine Woche, aber wenn ich urteilen müsste, würde ich sagen, es geht mir besser. Ich hatte eine tolle Trainingswoche. Natürlich könnte das auch an vielen anderen Faktoren liegen. Aber ich hatte keine Probleme, mein Training durchzuziehen oder eine Mahlzeit nach dem Training zu mir zu nehmen. Es gab einen Tag (als ich viel Bein- und Ausdauertraining gemacht habe), an dem ich abends wirklich hungrig war. Hätte ich dieses vegane Abenteuer nicht gestartet, hätte ich wahrscheinlich einen sehr späten Einkauf gemacht und mir ein paar Snacks gekauft. Ich glaube, ich habe einen veganen Proteinriegel und eine zweite Portion von meinem Abendessen gegessen.

IST ES SCHWER, DIESE VERÄNDERUNG ZU MACHEN? 

Ich habe es insgesamt nicht schwer gefunden, aber ich muss dazu sagen, dass ich alleine wohne. Ich habe keine Kinder und ich arbeite Zuhause. Es gab einige wenige Situationen, in denen ich in schwierige soziale Situationen tappte. Aber es gibt viele vegane Cafés und Restaurants in meiner Stadt und ich kann mir vorstellen, dass es diese mittlerweile fast überall gibt. Vegane Lebensmittel zu kaufen ist sehr einfach, wenn auch ein bisschen limitiert – im Gegensatz zur omnivoren Ernährung.

Vegan zu essen hat mich dazu gebracht, neue Rezepte auszuprobieren und mit Gewürzen zu experimentieren. Außerdem habe ich ein paar neue Lebensmittel getestet: Seitan zum Beispiel, wer kennt’s?

Ich habe den Monat noch nicht beendet, aber ich denke, ich werde auch danach mit vielen veganen Gewohnheiten und Rezepten weitermachen. Ich kann mir nicht vorstellen, nochmals Milch zu kaufen und ich werde definitiv das vegane Proteinpulver weiterbenutzen. Eier werden es wahrscheinlich wieder in mein Leben schaffen – mal sehen!

 

 

 

Nicola Joyce schreibt seit 2004 für (und über) Sport, Fitness, Ernährung und gesundes Leben. Sie ist auch eine begeisterte Sportlerin: Ihr Hintergrund ist Ausdauersport, aber sie tritt jetzt als natürliche Bodybuilderin an und gewann zuletzt mit der INBF. Wenn sie keine Beiträge schreibt, bloggt sie. Folge ihr hier www.nicolajoyce.co.uk und auf Facebook& Twitter (@thefitwriter). Über ihren Veganen Monat kannst du hier mehr lesen.

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