Der eine Grund, weshalb wir schleichend zunehmen – Teil 1

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Internationale Studien und Erhebungen zeigen anhand steigender Zahlen der Übergewichtigen, dass die Nationen weltweit immer dicker werden.

Dieser Trend nimmt weiter zu, gleichwohl Menschen, Medien und der Staat versuchen die Bevölkerung zu einem gesunden Lebensstil zu bringen. In der heutigen Zeit allerdings scheint es beinahe zu einfach, dick zu werden: kalorienreiches Essen an allen Ecken und Enden sowie mangelnde Bewegung. Doch verfettet der Mensch so einfach, weil er es nicht anders haben will? Sind wir von Natur aus dazu verdammt in solch einer Überflussgesellschaft dick zu werden? Die Antwort ist nein und die Erklärung folgt in diesem Artikel zum Thema Fettwerden.

Die einfache Logik des Zunehmens

Unser Körper ähnelt einer Maschine, die im Normalfall eher eine minimalistische Einstellung hat. Diese versucht den Körper möglichst effizient mit der aus der Nahrung gewonnen Energie durch den Alltag zu bringen. Zudem versucht der Körper sich abzusichern, indem er jegliche überschüssige Energie in Form von Fettdepots abspeichert. Dies geschieht aber nicht von heute auf morgen.  Tägliche Gesichtsschwankungen sind normal, insbesondere nach speziellen Ereignissen. Beispielsweise kann nach einer ausgelassenen Party oder nach einem Abend am Buffet der Gewichtsunterschied drastisch sein. Die Ursachen hierfür liegen jedoch vielmehr mit der Verweildauer der Nahrung im Magen, dem Wasserhaushalt, dem Glykogenspeicher oder einer Kombination von diesen und noch anderen Faktoren zusammen. Folglich kann man sagen, dass man Fett erst zunimmt, wenn man über längere Zeit dem Körper zu viele Nährstoffe bereitstellt. Es ist nochmals wichtig zu verstehen, dass man nicht von heute auf morgen fett wird.

Essverhalten als Dreh- und Angelpunkt

Ausgehend davon, dass man Fett aufbaut, nur wenn man über einen gewissen Zeitraum mehr isst, als der Körper verbraucht, liegt die Antwort zur Fettreduktion auf der Hand: man sollte mittel- bis langfristig weniger essen. Doch das Problem mit diesem gut gemeinten Rat ist, dass er wenig Antworten für die zugrundeliegenden Gründe für die Gewichtszunahme liefert: nämlich das Essverhalten. Wie im letzten Artikel zur physischen und psychischen Gesundheit, kann man den Körper nicht als blosse Maschine sehen, die auf Input einen Output liefert. Vielmehr wurde deutlich gemacht, dass das Psychologische stets eng mit dem körperlichen zusammenhängt. Maßgeblichen Einfluss auf unser Verhalten haben insbesondere Hormone. Gewisse Hormone, auf welche gleich noch weiter eingegangen wird,  spielen während des Überessens und während einer Diät eine zentrale Rolle und treiben Menschen in eine „Fresslaune“ oder aber in die kontinuierliche Überfütterung des Körpers. Wenn man die Treiber dieses unerwünschten Verhaltens findet, lässt sich auch der Kampf mit dem Fett an der Hüfte besser führen.

 „Leptin“ – der Regulator

Der Körper hat unterschiedliche Mechanismen im Gang, welche uns signalisieren, dass wir essen sollten und dass wir gegessen haben. Man könnte dies auch als ein kompliziertes Netzwerk an Arbeitern sehen, welche untereinander kommunizieren und so abklären ob, wie und wie viel gegessen wurde oder werden soll. Beispielsweise signalisiert die physische Dehnung der Magenwand dem Gehirn, dass wir etwas gegessen haben. Andererseits gibt es eine Vielzahl an Hormonen, welche die Nahrungsaufnahme steuern. Nachfolgend soll lediglich auf das Leptin eingegangen werden, welches neben Ghrelin, Cholecystokinin, PYY oder GLP-1 als das wichtigste Hormon für die Appetitregulierung bezeichnet wird.

Kaputte Feedbackprozesse im Körper

Das Hormon Leptin wird in den Fettzellen des Körpers produziert. Wenn wir unzureichende Nahrungszufuhr durch eine längere Diät haben und Fett verlieren, reduziert sich die „Werkstatt“ in der Leptin produziert werden kann. Der Leptinwert sinkt somit. Dies vergrössert den Appetit, um den Körper vor dem Verhungern zu schützen und wieder ein wenig Fett aufzubauen. Wenn das Fettgewebe und dadurch das Leptin wiederum durch eine Diätpause steigen, wird dem Hirn signalisiert, dass genug Essen vorhanden ist, sodass der Appetit reduziert werden kann.[1] Das heisst, der Körper isst nur wieder so viel, wie er braucht. Grundsätzlich liegt also ein wirksamer Mechanismus vor, der uns vor dem Fett werden schützen würde. Doch wie bei jeder Gruppenarbeit entstehen auch im Körper durch die zahlreichen Einflüsse viele Unstimmigkeiten und Abstimmungsprobleme. Diese Probleme zwischen Magen-Darm, Fettzellen und Hirn führen letztlich dazu, dass die natürliche Vorsorge gegen das Fettwerden nicht funktioniert.

Leptin-Resistenz

Ein zentrales Problem hierbei ist die sogenannte Leptin-Resistenz. Wie bereits erwähnt wird Leptin in den Fettzellen hergestellt, während das Hirn, genauer der Hypothalamus, das Leptinlevel über Rezeptoren misst. Die gängige Forschung ist sich weitestgehend einig, dass hierbei das Problem entstehen kann, wenn die Rezeptoren den Leptinwert nicht mehr richtig messen können. Folglich unterschätzt das Hirn die eigentlich verfügbare Menge an Leptin. Weil Leptin eben nur in den Fettzellen produziert werden kann, notiert das Hirn, dass noch Fett am Körper fehlt. Somit werden wir noch mehr zu essen. Was man tun kann, um seine Leptinwerte im Gleichgewicht zu halten, erfahrt ihr im nächsten Artikel.

Weiterlesen: Der eine Grund, weshalb wir schleichend zunehmen – Teil 2

 

Zum Autor

Lukas Sitar studiert derzeit Business Innovation an der Universität St. Gallen in der Schweiz. Training und Ernährung sowie auch Genuss und Kulinarik sind seine Leidenschaften. Nebst vielen Stunden im Fitnessstudio findet man Lukas auch oft in der Küche wo er mit seinen kreativen Proteinrezepten die Brücke zwischen fitnessgerechter Ernährung und Genuss schlägt. Für weitere Inspirationen folgt ihm auf Instagram unter www.instagram.com/sitaar

[1] Friedman, J. M., & Mantzoros, C. S. (2015). 20 years of leptin: from the discovery of the leptin gene to leptin in our therapeutic armamentarium. Metabolism: Clinical and Experimental, 64, 1, 1-4.

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